Geschichte
Die Geschichte des ARBÖ Leopoldstadt lässt sich nur mehr teilweise rekonstruieren. Vieles wird nie mehr zu eruieren sein. Aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg waren keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Vorgängerorganisation des ARBÖ Leopoldstadt zu finden. Lediglich aus vorhandenen Fahnenbändern lässt sich das Vorhandensein einzelner Radfahrergruppen nachweisen. Alle Unterlagen wurden leider, um den Nachforschungen der Heimwehrfaschisten und des Naziregimes in der Verbotszeit keine Handhabe zu geben, vernichtet. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass zum Zeitpunkt der Gründung des „Verbandes der Radfahrervereine Österreichs“ am 30. April 1899 der ARC Leopoldstadt bereits dabei war.
Die Gründungsjahre der Gruppen die mit Fahnenbänder nachweisbar sind.
1897 ARC Leopoldstadt
1908 ARC Kaisermühlen (Kaisermühlen gehörte damals zum 2. Wiener Gemeindebezirk)
1925 ARC Elektra (das ehemalige Elektrizitätswerk in der Engerthstrasse)
Das Gründungsdatum nach dem Weltkrieg der Leopoldstädter Kraftfahrergruppe des Arbeiter ,Rad-und Kraftfahrbundes Österreich, wie er damals hieß, ist nicht mehr feststellbar. Offensichtlich war die Gruppe K-II bis 1966 behördlich nicht als selbstständiger Verein gemeldet! Nur der Hinweis „sieben Genossen machten sich an die Arbeit, die Kraftfahrer der Leopoldstadt in die für sie bestehende Zweckorganisation zu erfassen“, ist in einem alten Protokoll zu finden.
Im ältesten vorhandenen Protokoll, einer Generalversammlung vom 05.Februar 1954 ,scheint Josef Kunst als Obmann einer Gruppe von 21 Mitgliedern auf. Von ihm stammt auch die „ Vereinshupe“. Im damaligen Vereinssitz , dem Gasthaus Schindl , in der Nordbahnstrasse 48, mussten die Mitglieder bei einer Strafe von 50 Groschen , vor dem Gruss hupen.
Die Gruppe war sehr aktiv. 26 gemeinsame Ausfahrten wurden im Jahr 1954 un-ternommen. So wies der Klub bei der Generalversammlung am 18.März 1955 bereits 55 Mitglieder auf.
Damals wurde Sportgenosse Richard Schäfer Obmann, Stefan Wanko wurde, nachdem er bereits die Funktion des 2. Fahrtenwartes bekleidet hatte, Kassier. Sein Name sollte bis zu seinem Tod mit dem ARBÖ Leopoldstadt verbunden bleiben.
1955 wurden auch die roten Overalls, die den Mitgliedern der ARBÖ Gruppe K-II „Rote Teufel“ einbrachte, abgeschafft. In den nächsten Jahren trugen die Leopoldstädter bei Veranstaltungen und Ausfahrten diese Overalls.
Seit 1955 begannen die Leopoldstädter Funktionäre auch Einstellräume in den Gemeindebauten zu verwalten. Damit wurde auch das finanzielle Fundament für weitere Aktivitäten geschaffen.
1956 wurde ein Zeltverleih für die Mitglieder eingerichtet.
Im Jänner 1957 , die Gruppe zählte 124 Mitglieder , wurde Stefan Wanko Obmann.
Die Gruppe nahm in den folgenden Jahren aktiv mehrfach an Veranstaltungen teil - zahlreiche Pokale, Wimpel und Medaillen zeugen aus dieser Zeit.
Ende 1959 weist die Gruppe K-II 127 Mitglieder auf. Aus diesem Jahr stammt auch die älteste Aufzeichnung über die Gruppe E-Werk –II. Sie hatte bereits 153 Mitglieder in ihrer Betriebsgruppe.
62 Veranstaltungen weist die Vereinschronik im Jahr 1961 aus. Der Vereinssitz wurde in das Gasthaus Weingarten in Wien, Ausstellungsstrasse 39, verlegt.
Ab Mai 1963 übersiedelte die Gruppe K-II in das eben fertiggestellte Sporthaus in Wien 2, Pazmanitengasse 17.
Als im Dezember 1964 das, der ARBÖ Landesgruppe Wien eigene Motorboot „Theodor Körner“, mit einem 40 Ps Motor samt Anhänger zum Verkauf ausgeschrieben wurde, bewarb sich die Gruppe Leopoldstadt, die bereits eine 10-köpfige Motorbootsektion „auf dem Trockenen“ aufwies. Leider zerschlug sich dieser Plan, wie so vieles an den Kosten. ATS 10.000,- forderte die Landesorganisation, und die vereinspolizeiliche Meldung der Gruppe.
Anfang 1965 führte Kollege Wanko die ersten Gespräche bezüglich des Objektes in Wien 2, Trabrennstrasse 126. In diesem befand sich noch die Messefeuerwache. Damit hofften die Funktionäre dem seit 1960 gehegten Wunsch nach einer Selbstreperaturanlage nachzukommen.
Am 24. Jänner 1969 übergab Stefan Wanko aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen, vorübergehend, die Funktion des Obmannes an Dr. Ernst Schmiedl. Zuvor gelang es mit 01.Juni 1968 einen auf 5 Jahre befristeten Pachtvertrag mit der Wiener Messe AG über das Grundstück Trabrennstrasse 126, abzuschliessen. Wie die Geschichte weist, wurde aus den befristeten Vertrag eine dauerhafte Einrichtung.
In mühevoller Kleinarbeit wurden vorerst für drei Fahrzeuge Autowaschplätze geschaffen. In der Zweiwagengarage der früheren Messefeuerwache wurde eine Putzgrube errichtet. Eine Autowäsche kostete S 5,-, eine Stunde Selbstreparatur S 10,- für Mitglieder. Etwa 1971 wurde ein gebrauchter Messekiosk von der Wiener Messe AG erworben. Dadurch wurde es möglich, den Klubsitz vom Sporthaus Pazmanitengasse 17 in die Trabrennstrasse zu verlegen. Die Funktionäre versahen abwechselnd Dienst in der Selbstreparaturanlage,dem Waschplatz und einmal wöchentlich im „Sekretariat“ - dieses war im Messekiosk untergebracht.
Gleichzeitig wurde Ende der Sechzigerjahre begonnen, Parkplätze auf Abbruchgrundstücken im Bezirk zu schaffen. Damit wurde der Grundstein für das finanzielle Rückgrat des ARBÖ Leopoldstadt bis zum heutigen Tag geschaffen. Ein bezirkseigenes Mitteilungsblatt informierte ab April 1965 die Mitglieder über die Leistungen der Organisation.
Anfang 1972,bereits mit einem Mitgliederstand von 1027, übernahm wieder Stefan Wanko die Funktion des Obmannes. Im Juli dieses Jahres wurden sieben Garagenboxen für die Trabrennstrasse angeschafft. Im Winter 1972/73 wurde die Selbstreparaturanlage – sie hatte noch die großen Tore der ehemalige Messefeuerwehr - renoviert.
Ab Jänner 1973 wurde ein täglicher Sekretariatsdienst in der Zeit von täglich 16.00-19.00 Uhr eingerichtet. Als ehrenamtlicher „Bezirkssekretär“ wurde Friedrich Beidler in den Vorstand kooptiert. Dadurch wurde es möglich, Sicherheitspässe auszustellen, Klubgaben auszugeben (1973 war dies eine Pannenblinkleuchte) und nach der Einführung der §57a Plaketten, diese ab Oktober 1973 auch auszugeben. Der ARBÖ Leopoldstadt hatte 1973 in 26 Parkplätzen und Garagen 310 Einsteller. Durch all diese Aktivitäten konnte in diesem Jahr der Mitgliederstand von 984 auf 1.149 gesteigert werden!
Bedingt durch die damals bestehende Nachfrage nach Prüfstellen, regte Friedrich Beidler im Frühjahr 1973 den Ausbau der Selbstreparaturanlage zu einer Pannenhilfsstation an. Dieser Wunsch des ARBÖ Leopoldstadt, Prüfgeräte für einen stationären Pannendienst beizustellen, wurde an die Landesorganisation herangetragen. Vizepräsident Fritz Curl bot den Leopoldstädtern jedoch die Prüfgeräte für ein ganzes Prüfzentrum an! Dies war mehr als man in der Leopoldstadt zu träumen gewagt hatte. Die Gruppe K-II musste aber für die notwendigen baulichen Veränderungen aufkommen.
Selten ist in so kurzer Zeit ein Prüfzentrum entstanden. Am 06.Juni 1973 wurde der Beschluss für den Umbau, er kostete damals ATS 140.000, ATS 50.000 davon auf Kredit, gefasst. Der Baubeginn war am 05.September 1973 und bereits am 1. Dezember 1973 wurde das Prüfzentrum Leopoldstadt eröffnet! Ein besonderer Dank sei hier auch dem damaligen Direktor der Wiener Messe AG, Herrn Dir. Porges, ausgesprochen.
Ab Jänner 1974 wurde der Sekretariatsbetrieb um eine Halbtagskraft, Frau Helga Endl, erweitert. Das Prüfzentrum erfreute sich eines regen Zuspruches . Dies kann auch an der Mitgliederentwicklung abgelesen werden.
Ende 1973 zählte die Bezirksorganisation 2317, drei Jahre später bereits 3615 Mitglieder.
Der Kundenraum bestand noch aus zwei zusammengestellten Messekiosks. Dies brachte natürlich Probleme mit sich – zu wenig Platz war vorhanden, im Winter waren die schlecht isolierten Räumlichkeiten kaum zu beheizen.
1976 trat Stefan Wanko endgültig als Obmann ab und übergab Johann Grandits diese Funktion. Vorher hatte er noch die finanzielle Grundlage für die nächste Ausbaustufe, einem Sekretariatsneubau – gelegt.
Am 26. April 1976 wurde der Neubau eines modernen Kundenraumes , eines Sitzungssaales im ersten Stock, und einer neuen Selbstreparaturanlage beschlossen.
Diese Vorhaben sollte das Budget des ARBÖ Leopoldstadt mit rund 2 Millionen ATS, davon 1,5 Millionen auf Kredit, belasten. Erwähnenswert dabei ist, dass die ARBÖ Landesorganisation damals eine Ausfallsbürgschaft verweigerte, und so kam es, daß Johann Grandits, Fritz Lakinger und Friedrich Beidler privat die Bürgschaft für den Verein übernahmen, und damit den Bau ermöglichten.
Zahlreiche Mitarbeiter verbrachten ihre gesamte Freizeit auf der Baustelle. Viel Geld für Professionistenarbeiten konnte so gespart werden.
Leider kam in all den Jahren der Arbeit das Vereinsleben zu kurz. Die Kraft der Organisation wurde in die Betreuung des Objektes in der Trabrennstrasse und in Parkplatz- und Garagenverwaltung investiert.


